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planet e  |  07.10.2012 

Tod im Bienenstock

Studie zeigt Schädigungen durch bestimmte Pestizide

Die Biene, das Symbol einer heilen Welt. Seit Jahrtausenden produziert sie für den Menschen Honig. Doch diese heile Welt ist in Gefahr. Überall in Deutschland sterben die Bienen – massenhaft. So wie im Sommer 2008 am Oberrhein. Innerhalb weniger Stunden gingen Millionen von Bienen zu Grunde. 

Bienen / Quelle: reuters

Bienen im Bienenstock

(26.09.2012 Quelle: reuters)

Ursachenforschung zum Bienensterben

Eine Studie aus Frankreich belegt, dass bestimmte Pflanzenschutzmittel das Immun- und Navigationssystem der Bienen schädigt. Erforderliche Gegenmaßnahmen werden bislang nicht flächendeckend unternommen.

(14.08.2012)

Verantwortlich war offiziell ein technischer Fehler an Saatgutmaschinen, durch den große Mengen eines neuartigen Pflanzenschutzmittels aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide in die Umwelt gelangten.

Sendezeit

Sonntag, 07.10.2012 um 13.30 Uhr

Christoph Koch verlor damals seinen gesamten Bestand - 233 Bienenvölker. Eine solche Katastrophe hat sich seitdem nicht wiederholt. Doch der Imker aus dem badischen Oppenau ist sich sicher: Pestizide - auch in geringerer Dosis - sind für das massenhafte Bienensterben in Deutschland verantwortlich.

Immer mehr Bienen sterben

Schon lange stehen die Neonikotinoide unter Verdacht. Das sind Nervengifte, die über Wochen in der Pflanze wirken - von der Wurzel bis zur Blüte. Landwirte setzen diese Gifte seit etwa 15 Jahren gegen Schädlinge Sie sollen nicht nur akut toxisch wirken, sondern auch schon in geringen Dosen das Immun- und Navigationssystem der Nektarsammler stören.

Koch wurde in der Landesanstalt für Bienenkunde zum Imker ausgebildet. Seine Lehrmeister, erklärt Koch, hätten immer gesagt, mehr als drei Prozent Verlust würden bedeuten, dass der Imker etwas falsch gemacht habe. Jetzt hieße es zehn Prozent seien normal. Aber inzwischen sei man bei 30 Prozent Bienenverlusten angelangt. Da könne etwas nicht mehr stimmen. Es müsse einen Zusammenhang mit den Neonikotinoiden geben.

Studie zeigt Schädlichkeit der Pestizide

Rückendeckung für seine These bekommt Koch von Wissenschaftlern des französischen staatlichen Agrarforschungsinstitut INRA. Dieses sorgte im Frühjahr mit einer Freilandstudie für Aufsehen. Ergebnis: Schon geringe Dosen von Neonikotinoiden reichen aus, um das Navigationssystem von Bienen irreparabel zu schädigen. Bei ihrem Versuch klebten die Wissenschaftler mehr als 600 Bienen Sender auf den Rücken. Anschließend verabreichten sie ihnen die Dosis eines Neonikotinoids, wie sie auch auf den Feldern vorkommt. Dann ließen sie die Bienen frei. Nur etwas mehr als die Hälfte der mit dem Pestizid kontaminierten Tiere kehrte in die Stöcke zurück. 43 Prozent verloren die Orientierung. Für diese Bienen der sichere Tod.

Für die Wissenschaftler um Pierrick Aupinel ist das der Beweis für ein Phänomen, das weltweit Schlagzeilen machte: das mysteriöse Verschwinden ganzer Bienenvölker. Sein Fazit ist deutlich: „Die Neonikotinoide stellen eine potentielle Gefahr für die Biene dar. Das haben wir gezeigt. Diese Nervengifte sind gefährlich. Unsere Studie hat einen Effekt der Neonikotinoide auf das Rückflugverhalten der Bienen eindeutig.“  Für die Forscher ein Durchbruch. Bisher konnte man die Wirkung nur im Labor nachweisen. Jetzt gelang dies erstmals in Freilandversuchen.

Deutsches Bieneninstitut sieht Milbe als Ursache

Das deutsche Bieneninstitut in Celle hingegen macht die Varoa-Milbe für das Bienensterben verantwortlich. Vor 40 Jahren kam diese aus Asien nach Deutschland und entwischte aus dem Labor. Seitdem quält sie Bienen und Imker. Durch die Pestizide bestehe keine Gefahr für die Insekten, meinen die deutschen Wissenschaftler. Ihre Studien kommen immer zu demselben Ergebnis: Die Nervengifte schädigen die Bienen nicht. Geldgeber dieser Untersuchungen sind übrigens auch Hersteller von Pflanzenschutzmitteln Bayer und Syngenta.

Nicht wenige zweifeln deshalb an der Unabhängigkeit dieser Ergebnisse. Wie viel Geld die Industrie jährlich tatsächlich an die Bieneninstitute vergibt, bleibt im Dunkeln. Dazu will sich der Leiter des deutschen Bieneninstituts nicht äußern. Tatsache ist: Die Monitoring-Studie ist entscheidend für die Vergabe von Forschungsprojekten zum Bienensterben. Sie zementiert seit Jahren die gleiche Position.

Kritik am Monitoring in Deutschland

Doch es gibt Gegenwind. Zum Beispiel von Peter Hoppe, Wissenschaftler und lange Zeit Laborleiter bei BASF. In einem Gutachten zum Bienenmonitoring bemängeln er und der Statistiker Anton Safer Ungenauigkeiten in der Erhebung der Daten, die unbefriedigende Auswahl der Imker sowie der Standorte der Bienenstöcke. Auch das Ergebnis des Monitorings, das der Varroa-Milbe die Schuld am Bienensterben zuweist, stellt er in Frage. Sein Fazit: „Das Thema Pestizide wurde sehr heruntergespielt. Es wurde auch in Fällen, wo es bei den einzelnen Monitoringimkern Totalverluste gab, nicht nachgefasst. Das stand im Protokoll drin. In solchen Fällen sollte festgestellt werden, welche Pestizide im Umland eingesetzt wurden. Dieses Thema wurde mit spitzen Fingern angefasst, in einer Art, dass man es nicht ernsthaft prüfen wollt.“

planet e. berichtet über die menschengemachten Hintergründe des Bienensterbens, bei dem es nicht nur um die Existenz unseres drittwichtigsten Nutztieres geht, sondern auch um die Milliardenumsätze der Agrarindustrie.

ein Film von Berndt Welz

Kamera: Daniel Ritter / Stefan Moser

Schnitt: Anya Schulz

Redaktion: Martin Ordolff / Steffen Bayer

Leitung der Sendung: Volker Angres

07.10.2012

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