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planet e  |  16.09.2012 

Gefahr aus dem Kleiderschrank

Was wir uns anziehen

Ein einziges T-Shirt belastet die Umwelt mit rund 150 Gramm Chemikalien. "Darunter sind sehr gefährliche Substanzen, auf die verzichtet werden kann", sagt die Umweltaktivistin Kirsten Brodde. Seit Jahren kämpft sie für schadstofffreie Mode. 

Gefahr aus dem Kleiderschrank

 Die Umweltaktivistin Kirsten Brodde kämpft schon seit vielen Jahren für schadstoffreie Mode.

(16.09.2012)
Schmutzige Wäsche interaktiv / Quelle: zdf

Schmutzige Wäsche

Wie Textilien die Umwelt belasten - von der Produktion bis zum Kleiderschrank.

(14.09.2012 Quelle: zdf)

Giftstoffe in der Kleiderproduktion

Umweltaktivistin Kirsten Brodde kämpft seit Jahren für schadstofffreie Mode.

(10.09.2012)

Gifte in Outdoor-Bekleidung

Outdoor-Bekleidung ist wasser- und winddicht. Dafür werden immer noch so genannte Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) verarbeitet, die aber nicht unbedenklich sind.

(10.09.2012)

Bis ein konventionell hergestelltes Kleidungsstück bei uns zu kaufen ist, hat es in der Regel schon eine weite Reise von Asien nach Europa hinter sich und noch einiges mehr: Es fängt an mit der Baumwollpflanze, die mit Kunstdünger und Pestiziden behandelt wird, geht weiter bei den Farben und Chemikalien, die verwendet werden, damit Hemd, Bluse oder Shirt attraktiv und modisch aktuell aussehen. Öle, Tenside, Natronlaugen, Bleichmittel, Pigmente, Wasch- und Imprägniermittel - vieles kommt zum Einsatz in den Textilfabriken in China, Indien oder Bangladesch.

Sendezeit

Sonntag, 16.9.2012 um 13.25 Uhr


Mit der Kleidung, die wir zu einem großen Teil aus Asien importieren, gelangt auch ein Teil dieser chemischen Stoffe zu uns, dann mittels Waschmaschine in unsere Flüsse und letztendlich in unsere Nahrungskette. Die Greenpeace-Aktivistin Kirsten Brodde beschäftigt sich schon viele Jahre mit dieser "dreckigen" Mode. "Wir müssen auf die großen Bekleidungshersteller Druck ausüben, damit etwas passiert", sagt sie.

Nicht einfach, denn das Geschäftskonzept der Moderiesen ist darauf ausgelegt, viel zu verkaufen. Innerhalb nur weniger Wochen wechseln sie die Kollektionen und animieren vor allem Jugendliche, sich immer wieder noch etwas noch Modischeres, noch Aktuelleres und Cooleres zuzulegen. Kirsten Broddes Credo: Auch wir Verbraucher können mit Kleidung verantwortungsvoller umgehen, weniger Kleidung kaufen oder direkt zu ökologisch hergestellter Kleidung wechseln. Doch bis dahin wird es noch ein langer Weg sein.

Produktion von Textilien

Rohstoffanbau

Baumwolle ist die wichtigste natürliche Textilfaser. Rund 24 Millionen Tonnen werden jedes Jahr weltweit produziert, vornehmlich in Asien. Das Hauptproblem: Baumwolle schluckt Unmengen Wasser. Je nach Bewässerungsmethode werden für den Anbau der Baumwolle für eine Jeans zwischen 3500 und 14.000 Liter Wasser und für ein T-Shirt zwischen 2000 und 9000 Liter Wasser verbraucht. Das führt zu Trinkwassermangel und Versteppung in den Anbauregionen. Darüber hinaus werden beim konventionellen Baumwollanbau sehr große Mengen an Pestiziden und Düngemitteln eingesetzt.

Veredeln

95 Prozent der in Deutschland verkauften Textilien kommen aus Billiglohnländern, zum größten Teil aus China, der Türkei und Bangladesch. Dort werden geerntete Rohstoffe mit viel Aufwand weiterverarbeitet: Erst nach zehn bis 20 Arbeitsgängen hängt ein neues Kleid am Bügel. Die Industrie setzt dabei weltweit bis zu 8000 Hilfsmittel und rund 4000 Farbstoffe ein. Die verschmutzen das Wasser und gefährden die Gesundheit der Arbeiter. Doch auch in der Kleidung, die wir hier kaufen, können noch geringe Mengen Chemikalien stecken, die sich beim Waschen herauslösen und die Umwelt belasten.

Färben

Jeder Textil-Rohstoff muss mit speziellen Chemikalien gefärbt werden. Problematisch sind dabei nicht nur der hohe Wasser- und Energieverbrauch, sondern auch die Inhaltsstoffe. Azorfarbstoffe zum Beispiel sorgen bei rund 60 Prozent der gefärbten Textilien für kräftige Farben. Die Herstellung ist sehr materialintensiv: Für 100 Kilogramm Rot fallen 770 Kilo Abfall an. Wenn Azorfarbstoffe auf die Haut oder in den Körper gelangen, können sie Krebs auslösen. Die Umweltauflagen für die Produktion in Europa sind zwar streng – nützen aber wenig, weil der Großteil unserer Bekleidung aus Asien kommt. Dort entlassen Färbereien mit Chemikalien belastete und schwermetallhaltige Abwässer oft immer noch einfach in die Umwelt.

Ausrüsten

Socken und Sportbekleidung enthalten meist einen Cocktail umstrittener Chemikalien wie Triclosan, die nicht nur Krankheitskeime, sondern auch nützliche Hautbakterien angreifen. Knisternde Kunstfasern werden mit Tensiden überzogen, die die Ladung ableiten. Wolle wird häufig mit Kunstharz überzogen, damit sich die Fasern nicht verhaken. Auch rund 90 Prozent aller konventionell hergestellten Baumwolltextilien sind mit Kunstharz behandelt. Das aber führt dazu, dass sich die Stoffe anders, fester anfühlen. Um die gewünschte Geschmeidigkeit zu erhalten werden wiederum Weichmacher eingesetzt. Bei dieser chemischen Veredlung fallen große Mengen belasteter Abwässer an.

Konservieren

Damit Fasern während des Transports nicht schimmeln, muffeln oder von Schädlingen angefressen werden, werden sie zusätzlich behandelt, teilweise mit antibakteriellen Mitteln wie dem giftigen Formaldehyd. Dessen Gebrauch muss erst ab einer hohen Schwelle gekennzeichnet werden.

CO2-Bilanz

Die Herstellung von Düngern und Pestiziden für die Baumwollfelder, die energieintensive Veredelung der Fasern und rund 19.000 Kilometer Wegstrecke: Fünf bis sieben Kilogramm CO2 werden in die Luft geblasen, bis ein durchschnittliches T-Shirt in einem deutschen Kleiderschrank liegt. Inzwischen gibt es einige Produzenten, die versuchen, die Treibhausgase zu verringern – durch den Anbau von Bio-Baumwolle und den Verzicht auf Dünger und Pestizide oder indem sie bei der Herstellung auf erneuerbare Energien zurückgreifen.

Chemikalien im Abwasser

Bestimmte Chemikalien können selbst durch Kläranlagen nicht aus dem Abwasser gefiltert werden - zum Beispiel Nonylphenolethoxylate (NPE). NPE sind in Europa seit 2003 verboten beziehungsweise stark in der Nutzung eingeschränkt. In China und anderen Ländern dürfen sie aber noch verwendet werden und gelangen so auch zu uns. In der Textilproduktion werden NPE als Tenside, das heißt als fettlösende Waschmittel, eingesetzt. Hängt das fertige Stück im Kleiderschrank, gelangt mit der ersten und zweiten Wäsche NPE in die Kanalisation.

Wenn NPE mit dem Abwasser in Gewässer gelangen, wird Nonylphenol (NP) abgespalten. NP ist eine hormonell wirksame Chemikalie, die insbesondere für Wasserorganismen hoch toxisch sein kann - und zum Beispiel zur Verweiblichung von Fischen führt. Wenn die Chemikalie im Klärschlamm bleibt, kann sie, wenn dieser nicht verbrannt wird, auf Felder aufgebracht werden. Da NP von der Struktur her ähnlich aufgebaut ist wie menschliche Hormone, kann der Stoff auch in das hormonelle System des Menschen eingreifen.

Textil-Label

ZahlreicheTextil-Label sind mittlerweile auf dem Markt, und ihre Bedeutung ist sehr unterschiedlich. Während einige nur darauf achten, dass im fertigen Kleidungsstück bestimmte Grenzwerte eingehalten werden, stellen andere hohe Maßstäbe an die gesamte Produktionskette. Auch die Einhaltung von Sozialstandards bei der Textilproduktion spielen nur bei einigen Gütezeichen eine Rolle.

Wichtig ist außerdem, ob die Firmen die Kriterien selbst überprüfen oder ob die Kontrollen von unabhängigen Institutionen durchgeführt werden. Einen Überblick über die wichtigsten Textil-Label finden Sie auf der folgenden Seite:

Lücke im Textilkennzeichnungsgesetz

Welche Chemikalien die Hersteller einsetzen, bleibt meist deren Geheimnis. Die größte Lücke im Textilkennzeichnungsgesetz: Über Pestizide, gesundheitsschädliche Farben, optische Aufheller, Kunstharze, Schwermetalle oder den Wasserverbrauch bei der Produktion erfahren Verbraucher auf den Etiketten im Kleidungsstück nichts.

Gefahr aus dem Kleiderschrank

ein Film von Manfred Kessler

Kamera: Karen Hinkelmann / Norbert Kleiner

Schnitt: Nanni Leitner

Redaktion: Steffen Bayer

Leitung der Sendung: Volker Angres

16.09.2012, Quelle: ZDF, Greenpeace, Umweltbundesamt

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