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19.08.2012 

Die Masche mit den alten Kleidern

Das Geschäft mit entsorgten Kleidungsstücken ist undurchsichtig

Über eine Million Tonnen Textilien werfen die Deutschen jedes Jahr weg. Das meiste landet allerdings nicht im Müll, sondern in der Altkleidersammlung. Immerhin 750.000 Tonnen jährlich.  Würde man die LKW mit den gesammelten Kleiderbergen aneinanderreihen, ergäbe sich eine Schlange von München bis Kiel. Aber kaum jemand weiß, was mit den Sachen wirklich passiert. 

Die Masche mit den alten Kleidern

(19.08.2012)
Modedesigner im Altkleiderlager

Alte Stoffe in neuem Look

Zwei Modedesignerinnen aus Hamburg machen aus alten Kleidern moderne Mode.

(17.08.2012)

Altkleider zum Kilopreis

Jährlich werden tonnenweise Kleider und andere Textilien weggeworfen. Das meiste landet bei Altkleidersammlungen. Nicht alle dienen wohltätigen Zwecken, denn der Handel mit Altkleidern ist lukrativ.

(17.08.2012)

Nur ein kleiner Teil der gespendeten Sachen geht an Kleiderkammern oder andere soziale Projekte. Der Bedarf ist zu gering. Wohlfahrtsorganisationen sammeln in der Regel nicht selbst, informieren darüber aber nicht ehrlich. Sie verkaufen ihre Sammellizenz an gewerbliche Unternehmen. Einer der großen deutschen Sortierbetriebe ist die Firma TexTrade in Bremerhaven. Sie zahlt den karitativen Organisationen Kilopreise für die gesammelte Ware. Von dem Erlös finanzieren die Wohlfahrtsverbände ihre sozialen Projekte. Im Sortierbetrieb angekommen, wird die Kleiderspende zum globalen Wirtschaftsgut. Von Wohltätigkeit keine Spur mehr: Fast die Hälfte der Textilien wird weiterverkauft.

Das meiste geht nach Afrika und Osteuropa

Das Weitertragen ist ökologisch sinnvoll. Bei der Textilproduktion werden Unmengen von Ressourcen verschwendet. Die Herstellung von einem Kilogramm Baumwolle verschlingt fast 25.000 Liter Wasser und erfordert einen hohen Einsatz an Pestiziden. Trotzdem will kaum jemand in Deutschland die gebrauchten Kleider haben. Zu Ballen gepresst und in Säcke verstaut, gehen sie nach Afrika und immer häufiger auch nach Osteuropa.

 

Sendezeit

Sonntag, 19.8.2012 um 13.30 Uhr

Einmal im Monat kommt ein LKW aus Deutschland ins russische Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg. Großhändlerin Rita Gulenko kauft die Ware beim Textilverwerter in Bremerhaven. Kaum ist sie eingetroffen, kommen die ersten Einzelhändler. Sie erwerben Kleider, Bettwäsche, Vorhänge und Schuhe säckeweise und bieten sie auf Märkten und in Second-Hand-Läden an. In Kaliningrad liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Monat bei 500 Euro. Auf dem Land bleiben den Menschen oft sogar nur 100 Euro zum Leben. Der Second-Hand-Handel verhilft vielen zu einem Einkommen. Auf dem Markt im ländlichen Prawdinsk erzählen Frauen, dass sie ausschließlich gebrauchte Kleider aus Deutschland kaufen. Neue Sachen können sie sich nicht leisten.

 

Altkleiderhandel gegen lokale Textilindustrie

Trotzdem wird in Deutschland immer wieder der Vorwurf erhoben, der Altkleiderhandel zerstöre die lokale Textilindustrie. Dieser Frage ist FairWertung, ein Dachverband gemeinnütziger und kirchlicher Organisationen, nachgegangen. Seine jahrelangen Untersuchungen haben zum Ergebnis: Die heimische Textilindustrie in Afrika oder Osteuropa liege vor allem deshalb am Boden, weil sie nicht mit den asiatischen Billigprodukten konkurrieren könne.

Was auch in ärmeren Regionen auf der Welt keiner mehr will, landet bei der Recyclingfirma Gifa in Baden-Württemberg. Verschlissene Kleider werden in Fasern gerissen: Rohstoffe für die Herstellung neuer Produkte wie Bodenmatten, Dachpappe oder Automobilteile. Auch das spart Ressourcen.

Die Masche mit den alten Kleidern

Ein Film von Angela Scheele

Kamera: Michael Plundrich

Schnitt: Klaus Flemming

Redaktion: Martin Ordolff

Leitung der Sendung: Volker Angres

19.08.2012

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